Chronik des Jahres 2010

Callerworkshop in St. Petersburg

Für die Zeit vom 25. bis 28. Februar konnten wir wieder Kenny Reese gewinnen, eine Schulung der russischen Caller in St. Petersburg durchzuführen. Der aus Houston/Texas stammende, und jetzt in Deutschland lebende sehr bekannte Accredited Caller Coach konnte 5 Caller/-innen aus Petrozavodsk, 2 aus Pskov und 4 aus St. Petersburg in der Kunst des Callens weiterbilden. Außerdem waren aus den Clubs noch einige Tänzerinnen mit angereist, die als Angels bei der Callerschulung sehr willkommen waren. Von den Beteiligten haben wir ein sehr positives Feedback bekommen, so dass diese Art der Callerausbildung vor Ort in Russland fortgeführt werden soll. Unser Verein bedankt sich recht herzlich bei allen Beteiligten.

5-Jähriger Clubgeburtstag der "Sunday Smiling Squares" in Pskov

In diesem Jahr konnte bereits der 2. russische Club am Samstag, den 15. Mai, seinen 5. Clubgeburtstag feiern. Am Freitag, den 14. Mai, fand noch eine feierliche Graduation von 23 Tänzer/-innen statt‚ 12 von den Sunday Smiling Squares aus Pskov, 8 von den Onego Wave Dancers aus Petrozavodsk, 2 von den Palace Square Dancers aus St. Petersburg und 1 von den DRSDF aus Moskau. Am anschließenden Sonntag, den 16. Mai, luden die Sunday Smiling Squares alle Gäste noch zum gemeinsamen Clubtanz ein.

Zu diesem großen Ereignis waren 27 Tänzer/-innen mit dem bekannten Caller Michael Mühlhauer aus Deutschland angereist. Neben den russischen Students, die feierlich mit Urkunde in die weltweite Square Dance Gemeinschaft aufgenommen wurden, nahmen 11 Tänzer aus Petrozavodsk, und 8 Tänzer aus St. Petersburg an der Veranstaltung teil. Zu den Tänzern aus Deutschland sei besonders erwähnt, dass Traudel,  Eberhard, Gertrud, Ossi, Gerhard und Wolfgang bereits als Pioniere und Initiatoren des Square Dance in Pskov mit dabei waren, und besonders herzlich empfangen wurden. Die Sunday Smiling Squares haben inzwischen 40 Mitglieder.

25 Teilnehmer aus Deutschland trafen sich am 12. Mai bei trübem und kühlem Wetter in Frankfurt, und flogen gemeinsam zur lettischen Hauptstadt Riga. Dort empfingen uns sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein, und wir unternahmen eine Stadtrundfahrt mit anschließender Stadtführung. Die alte Hansestadt ist berühmt für ihre Jugendstilhäuser, die großzügigen Anlagen, sowie die gut erhaltene Innenstadt. Am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam mit dem Zug zum westlich von Riga gelegenen Badeort Majory / Jurmala. Jurmala ist ein Zusammenschluss aus 12 Fischerdörfern an einem schier endlosen Strand, gesäumt von sanft welligen Dünen und Kieferwäldern. Am Freitagmorgen fuhr die Gruppe, der sich inzwischen auch Gerhard aus Berlin angeschlossen hatte, mit dem Bus weiter nach Pskov. Dort angekommen, wurden wir von der Presidentin Tatiana und ihrem Mann Igor im Hotel Rizhskaya herzlich empfangen.

In Pskov tanzten wir in dem Saal der wissenschaftlichen Gebietsbibliothek, die sich im Stadtzentrum, unweit des Denkmals von Fürstin Olga und des Oktoberplatzes befindet. Die Veranstaltung wurde durch die Bibliothek und durch die Rentnerunion unterstützt, und stand unter dem Motto "Tanzen statt Krieg führen". In der Bibliothek war speziell für die Teilnehmer aus Deutschland eine Ausstellung mit regionalem Bezug aufgebaut, und im Foyer gab es Schaukästen der Rentnerunion und der Sunday Smiling Squares.

Die Graduation am Freitag wurde durch die Gruppe Otschelye des regionalen Kollegiums der Künste unter Leitung von W. Kagascheschewa und des Konzertmeisters Denis Rasumow feierlich eröffnet. Danach wurde getanzt, und anschließend die 23 zu graduierenden russischen Tänzer/-innen von erfahrenen russischen und deutschen Tänzern in den Saal geführt. Ihnen wurde nach der feierlichen Zeremonie ein Diplom sowie ein Clubbadge überreicht. Nach dem Abschluß mit einem großen Freundschaftsring, und Singen des Freundschaftsliedes in drei Sprachen, folgte die Afterparty, bei der viele selbstgemachte Spezialitäten der Region probiert werden konnten. Das örtliche Fernsehen war ebenfalls anwesend, und sendete am folgenden Tag den aufgezeichneten Bericht mit einem Interview mit Eberhard (übersetzt von Alsu Alyusheva aus Moskau) über Square Dance in Pskov und Russland.

Am Samstagvormittag machte die Gruppe aus Deutschland eine Stadtrundfahrt durch Pskov. Dabei besichtigten wir unter anderem den Kreml mit der Dreifaltigkeitskathedrale und das etwas außerhalb gelegene Alexander Nevski Denkmal. Unser Stadtführer Michail hat uns dabei einen sehr interessanten Überblick über die Entwicklung und die über 1100-jährige Geschichte der Stadt gegeben, und uns gleichzeitig auch einen kurzen Einblick in die russische Seele gewährt.

Am Nachmittag eröffneten die Tänzer der Folkloregruppe Budimir, und die Kinder der Gruppe Businki der Kunstschule aus Pskov den 5. Clubgeburtstag der Sunday Smiling Squares. Boardmitglieder der anwesenden russischen Square Dance Clubs, sowie der DRSDF überbrachten anschließend dem ausrichtenden Club ihre Glückwünsche und Geschenke zu ihrem Jubiläum. Ein besonderer Gruß galt Katja, der ersten Presidentin und Callerin aus Pskov. Michael Mühlhauer gab danach das Zeichen zum "Square Up!". Michael wurde zwischendurch durch Elena, der Clubcallerin der Sunday Smiling Squares, von Sasha und Svetlana von den Onego Wave Dancers, sowie von seiner Partnerin Sandra, und selbstverständlich von Eberhard, dem Clubcaller der DRSDF unterstützt. Nach dem großen Freundschaftsring mit dem Freundschaftslied auf Deutsch, Englisch und Russisch, trafen wir uns zur Afterparty im benachbarten Café Wolna. Unterhalten wurden wir dabei vom Duo Die Musiker des Windes - Svetlana Rodionowa und Aleksei Jepifanow - mit historischer Musik der Renaissance aus dem 16. Jahrhundert.

Am Sonntagvormittag gab es eine interessante Führung durch den Pogankinpalast, dem Museum für Geschichte und Kunsthandwerk, bekannt für seine große Ikonen- und Silbersammlung. Wer mochte, konnte anschließend noch einen Bummel über einen Markt machen, auf dem es angefangen von Ersatzteilen fürs Auto, über Duschvorhänge, Kinderspielzeug und Kleidung bis hin zu Haustieren so ziemlich alles zu kaufen gab. Zeitgleich fand im Deutsch-Russischen Begegnungszentrum auch eine Square Dance Vorführung einer Behindertengruppe statt, die vor über einem Jahr von der damaligen Callerin Katja gegründet wurde. Sie wird jetzt von Vera weiter betreut. Es ist immer wieder eine große Freude zu sehen, welchen Einsatz diese Gruppe beim Square Dance zeigt, und welch große Lebensfreude sie daraus schöpft.

Nach einem Mittagessen im Restaurant Elit, im Untergeschoß des Gazprom Gebäudes ging es zum Clubabend der Sunday Smiling Squares. Eröffnet wurde der Abend vom Chor Okoliza unter der Leitung von A. W. Sakrewski. Der Chor wurde von J. M. Dubow an der Harmonika begleitet. Anschließend durfte wieder ausgiebig getanzt werden. Die Freundschaftsbücher der Gäste wurden unterzeichnet, und Dangles überreicht. Die Afterparty fand wieder im benachbarten Café Wolna statt. Dort gab es viel Leckeres zu essen und zu trinken. Vice-Presidentin Alexandra hatte eine kleine Fun-Einlage vorbereitet, bei der die Boys im Square zur Belustigung aller mit verbundenen Augen tanzen mußten. Für die meisten Tänzer ging damit der 5. Clubgeburtstag der Sunday Smiling Squares zu Ende. Es galt Abschied zu nehmen, mit dem Versprechen sich irgendwo in einem Square wiederzusehen.

Für die Gruppe aus Deutschland stand am Montag noch ein interessantes Besichtigungsprogramm auf dem Plan. Begleitet wurden wir wieder von dem uns bereits bekannten und vertrauten Reiseführer Michail. Zunächst fuhren wir mit dem Bus zum Mariä-Entschlafen-Höhlenkloster in Pechory, und anschließend weiter zur Festung Izborsk, nahe der estnischen Grenze. An den nahegelegenen Slovensky Quellen, denen eine heilsame Wirkung auf Gesundheit und Vitalität nachgesagt wird, bot sich die Gelegenheit, dies zu überprüfen. Die Quellen münden in den Gorodischenskoe See.

Viele Squaredancer trafen sich abends noch im gegenüber des Hotels Rizhskaya liegenden "deutschen" Lokal Bierhoff zur letzten Abschiedsparty. Da es keine deutsche, und nur eine einzige englische Speise- und Getränkekarte gab, halfen uns unsere russischen Freunde gern bei der Bestellung. Für die deutsche Gruppe bedankte sich Caller Michael herzlich bei Gerlinde und Rolf, den Organisatoren der Reise. Als Dank überreichte er ein wunderschönes Aquarell von Pskov, mit den Unterschriften aller Teilnehmer, und einem bebilderten internationalen Wörterbuch ohne Worte.

Nach einer kurzen Nacht traten wir die Rückreise zunächst mit dem Bus zum Flughafen nach Riga, und anschließend von dort nach Deutschland an. Im Gepäck viele schöne Erlebnisse und Erinnerungen.

Unser Dank gilt allen Mitgliedern der Sunday Smiling Squares, und deren Angehörigen für die herzliche Gastfreundschaft! Sie hatten alles perfekt vorbereitet, und so den gesamten Aufenthalt für alle Teilnehmer zu einer erlebnisreichen und unvergesslichen Reise gemacht.

Ein Anfang in Kaliningrad

Durch Kontakte von Eberhard und Traudel zum Deutsch-Russischen Haus in Kaliningrad, der russischen Exklave zwischen Litauen und Polen, wird auch hier ein Versuch unternommen, Square Dance bekannt zu machen. Das Gebiet Kaliningrad hat etwa die Größe Schleswig Holsteins, liegt ca. 630 km nordöstlich von Berlin, und hat ca. 950.000 Einwohner, wovon etwa die Hälfte in der Stadt Kaliningrad (ehemals Königsberg) leben. Für die Zeit vom 17. bis 28. Juni wurden Eberhard als Caller und Traudel, Gerlinde und Rolf als Angels eingeladen, um den Square Dance nach Kaliningrad zu bringen. Außerdem waren noch Olga, Presidentin & Callerin der Polar Light Dancers, und eine weitere Olga, die früher in Murmansk getanzt hat, und inzwischen in Kaliningrad wohnt, eingeladen, um den Aufbau des Square Dance in Kaliningrad zu unterstützen.

Wir wurden im DRH herzlich empfangen, und vom Abteilungsleiter Andrej Artjukow bestens betreut. Mitgebracht hatten wir die technische Ausrüstung für den Caller, Unterlagen zum Erlernen des Square Dance, und mehrere Kartons mit gespendeter Square Dance Kleidung für die künftigen Tänzerinnen und Tänzer.

Gleich der erste Übungsabend am 18. Juni war eine große Herausforderung für alle Beteiligten, da am nächsten Tag ein großes Mittsommerfest stattfand, und eine Square Dance Aufführung als ein Programmpunkt angekündigt war. Eberhard hat dafür zwei schöne Singing Calls ausgewählt, und mit einem Square die erforderlichen Figuren so lange geübt, bis alles perfekt klappte.

Am Samstag fand mit geladenen Gästen, und ethnischen Gruppen des Kaliningrader Gebietes sowie der Nachbarländer ein großes Mittsommerfest statt. Sogar ein richtiger schwedischer Mittsommerbaum war aufgestellt. Die Konsuln oder deren Vertreter der in Kaliningrad akkreditierten Konsulate überbrachten Grußbotschaften, und Volkstanz- bzw. Gesangsgruppen ihrer Länder unterhielten die Gäste. Wir konnten mit einem gelungenen Square Dance Auftritt auch unseren Beitrag leisten. Anschließend wurde bei strahlendem Sonnenschein auf dem schönen Außengelände und in den Räumlichkeiten des DRH gemeinsam weiter gefeiert.

Die weiteren Square Dance Übungsstunden wurden intensiv von den Kaliningradern genutzt, so dass wir mit bis zu 3 Squares trainieren konnten. Wegen des großen Interesses sind wir überzeugt, dass es nach der Sommerpause mit dem Square Dance in Kaliningrad weitergehen kann, und eine ausreichend große Class zustande kommt.

Neben dem Tanzen hatten wir Zeit und Gelegenheit, uns die Stadt und das Gebiet Kaliningrad anzusehen. Ein Besuch des Grabmals Immanuel Kants gehörte ebenso dazu wie ein Orgelkonzert im Dom. Wir unternahmen eine Fahrt zur Kurischen Nehrung, und besuchten den schönen Badeort Svetlogorsk (ehemals Rauschen).

Am Sonntag, den 27. Juni, folgten wir nach dem Tanzen gern einer Einladung des deutschen Generalskonsuls Dr. Aristide Fenster, um gemeinsam mit ihm und weiteren geladenen Gästen im Saal des DRH das Fußballspiel Deutschland gegen England zu verfolgen, und den sensationellen 4:1 Sieg der deutschen Mannschaft im Achtelfinale der Fußballweltmeisterschaft zu feiern. Ein schöner Abschluss unseres Besuches.

7. Benefizveranstaltung in Deutschland

Die 7. Benefizveranstaltung in Deutschland zugunsten Square Dance in Russland mit anschließendem Clubabend fand am 07. August in der Stadthalle Rheine statt. 262 gut gelaunte Tänzer/-innen aus 79 Clubs waren gekommen. 5 Stunden MS und PLUS mit Jörg Biewald, Thorsten Dudziak und MC Eberhard Walz begeisterten die Gäste. Beim anschließenden Clubabend wurde noch 2 ½ Stunden begeistert weitergetanzt, und die hervorragenden Caller zu einer Zugabe überredet.

23 Gäste aus allen 4 russischen Clubs (8 aus Petrozavodsk, 10 aus Pskov, 4 aus St. Petersburg und 1 aus Murmansk) waren angereist. Mitglieder des örtlichen Square Dance Clubs Michael Dancers Rheine haben alle angereisten russischen Tänzer/-innen kostenlos beherbergt. Im Gegensatz zur Unterbringung im Hotel war es den russischen Gästen so möglich, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, und neue Freundschaften zu schließen. Diese Begegnungen haben bei allen spontan ein positives Echo ausgelöst. Das alles war gelebte Völkerverständigung. Organisiert hat dieses mit sehr viel Engagement Clubmitglied Robert Latsch, unterstützt von der Presidentin Dorothee Faber. Allen Beteiligten gilt unser besonderer Dank.

Am 08. August hatte Robert für alle noch einen Clubbesuch bei den benachbarten River Ems Dancers organisiert. Presidentin Monika Eifler begrüßte alle 23 russischen Gäste, sowie viele Gäste aus 18 weiteren Clubs. Bis zu 8 Squares tanzten zu den interessanten Calls von Helmut Reitz. Die vielen Besucher bedeuteten einen Rekord in der Clubgeschichte. Alle Gäste wurden mit Kaffee und leckerem Kuchen bewirtet, den die Mitglieder selbst gebacken hatten. Ein herzliches Dankeschön dafür an den Club.